Kunststoff: Geht das auch nachhaltig?


In der Gesellschaft herrscht aktuell die Einstellung: Kunststoff ist schlecht. Da werden die Menschen natürlich hellhörig, sobald sie Begriffen wie „biobasiert“ und „biologisch abbaubar“ in Zusammenhang mit Kunststoff hören und lesen. Was genau hinter diesen Begrifflichkeiten steht, wissen jedoch die wenigsten. So gibt es verschiedenste Arten von Biokunststoffen, die sich alle in ihrer Beschaffenheit unterschieden und unterschiedlichste Eigenschaften besitzen. Was ist wirklich nachhaltig und was macht nur den Anschein? Wir klären Sie auf!

 

Unterschied biobasierte Kunststoffe – biologisch abbaubare Kunststoffe


Biobasiert

Hierbei handelt es sich um die ersten industriell hergestellten Massekunststoffe. Beispielsweise Celluloid wurde schon früh für Billardkugeln, Brillen, Tischtennisbälle und Kämme genutzt. Da dieses Material sehr leicht brennbar und damit gefährlicher ist, wird es seltener benutzt und auch ersetzt.


Festzuhalten gilt. Weil Kunststoff biobasiert ist, ist er nicht automatisch biologisch abbaubar!


Biologisch abbaubar

Biologisch abbaubare Stoffe müssen nicht zwingend biobasiert sein. Biologisch abbaubare Stoffe sind Polymere, die durch Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze (unter bestimmten Umständen) durch Enzyme zersetzt werden können.


Firmen wollen dadurch umweltfreundlich wirken. Jedoch sind abbaubare Kunststoffe nicht zwingend viel umweltfreundlicher als herkömmlicher Plastik. In Deutschland sind viele Kompostieranlagen nicht auf die Biokunststoffe eingerichtet. Die Folge davon ist, dass die Abfälle als Restmüll in Verbrennungsanlagen landen.

 

Wie werden Biokunststoffe hergestellt?

Biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe werden in verschiedenen Ausführungen und aus verschiedenen Materialien, deren Eigenschaften, Ressourcen und Anwendungen variieren, hergestellt.


PLA:

Dieses Material ist zwar zu komplett biobasiert, biologisch abbaubar und kompostierbar, hat jedoch auch problematische Aspekte. Hergestellt wird es aus Maisstärke, Zuckerrohr oder Tapioka. Das Material ist transparent, starr, hat eine geringe Wärmebeständigkeit und geringe Barriere Eigenschaften. Wird vor allem als Lebensmittelverpackung oder Kosmetik verwendet. Der BUND Naturschutz spricht PLA die Nachhaltigkeit ab, da die Kompostieranlagen für diesen Stoff nicht richtig ausgerichtet sind. Auf den Punkt gebracht bedeutet das: PLA ist zwar biologisch abbaubar, aber hierbei handelt es sich um einen aufwendigen Prozess.


BioPET/BioPE/BioPA:

Bestehend aus 20-100 % biobasierten Stoff. Nicht biologisch abbaubar und nicht kompostierbar. Wird aus Zuckerrohr, Melasse und Pflanzenöl hergestellt. Die Eigenschaften des Materials sind vergleichbar mit herkömmlichen Plastik.


PHA

Dieser Stoff ist komplett biobasiert, biologisch abbaubar und kompostierbar. Wird aus Maisstärke, Zucker oder Biomasse gewonnen. Es ist durchscheinend, starr, leicht elastisch, hat eine gute Wärmebeständigkeit und gute Barriereeigenschaften. Wird oft als Verpackungsfolie genutzt. Vorteil dieses biologisch abbaubaren Produkts ist, dass es nicht nur unter bestimmten Bedingungen in industriellere Kompostieranlagen abgebaut werden kann, sondern auch auf herkömmlichen Müllhalden, in der Natur oder im heimischen Kompost.


Biopolyster

Ist teilweise biobasiert und 100 % biologisch abbaubar und kompostierbar. Stoff wird aus Zuckerrohr, Maisstärke oder Ähnlichem gewonnen. Opak bis transparent, starr bis hin zu flexibel und gute Wärmebeständigkeit. Häufig eingesetzt bei der Produktion von Beuteln, Mulchfolie und Flakons.


Cellulosederivate

Genutzt werden diese Stoffe in der Lebensmittelindustrie als Verpackung oder als Zusatzstoffe von Lebensmitteln. Überwiegend biobasiert können biologisch abbaubar und kompostierbar sein, ist es aber nicht zwingend. Wasserlösliche Derivate werden in der Lebensmittelindustrie beispielsweise als Stabilisatoren, Filmbildner, Bindemittel, Verdickungsmittel und Emulgatoren eingesetzt. Cellulose ist der Hauptbestandteil von pflanzlichen Zellwänden und damit das am häufigsten vorkommende natürliche Polymer der Erde.


Bioelastomere

Teilweise biobasiert und kann biologisch abbaubar und kompostierbar sein. Zwingend ist das jedoch nicht. Gewonnen wird es beispielsweise aus Pflanzenölen oder Zucker. Ist sehr flexibel, verfügt über gute mechanische Eigenschaften und ist in der Verarbeitung einfach zu handhaben. Eingesetzt wird es hauptsächlich in technischen Teilen (Dichtungsringe, Reifen, Gummibänder). Eine gute Nachricht hier ist, dass an neuen nachhaltigen Additiven für Elastomere gearbeitet wird und das Fraunhofer Institut großartige Fortschritte aufweist.


Biokomposite

Biokomposite bestehen im Idealfall aus Naturfasern und Bio-Polymeren, die kompostierbar und abbaubar sind. Zwingend sind diese Eigenschaften jedoch nicht, weshalb bei diesem Kunststoff Vorsicht geboten ist. Das Material ist starr, verfügt über gute mechanische Fähigkeiten, ist wärmebeständig und einfach in der Verarbeitung. Beispiele für Produkte aus Biokompositen sind Bodenbeläge, Fassaden und Sichtschutzhelme.

 

Vorteile und Nachteile von Biokunststoff



Vorteile

Falls man sich richtig informiert und sich für die richtigen Biokunststoffe entscheidet, der umweltfreundlich und nachhaltig ist, kann der maßlose Überschuss an herkömmlichen Plastik eingedämmt werden. Gelingt es, nachhaltige Kunststoffe im großen Rahmen zu nutzen, wäre es möglich, viele Probleme zu lösen. Die Verschmutzung der Umwelt, wie beispielsweise in den Ozeanen wird verringert, Verpackungen können nach Gebrauch für andere Zwecke genutzt werden und die Reserven der endlichen Ressourcen, die bisher für die Herstellung von Plastik genutzt werden, werden geschont.

Der Stoff sollte aus Biomasse hergestellt werden und auch ohne großen zusätzlichen Aufwand biologisch abbaubar und kompostierbar sein.


Nachteile

Es herrscht eine große Verwirrung und Unklarheit rund um das Thema „Bio-Kunststoff“. Sich zur Genüge über dieses Thema und die einzelnen Materialitäten ist zeitaufwendig und teilweise kompliziert, da ein großer Wissensschatz von Fachwissen benötigt wird. So können Verbraucher mit guten Intentionen getäuscht werden und einen „nachhaltigen Kunststoff“ nutzen, ohne wirklich zu wissen, welche Problematiken dieser mit sich zieht. Es können biobasierte Kunststoffe millionenfach verwendet werden und gar nicht oder nur schwer abbaubar oder kompostierbar sein.

Zudem werden Pflanzen, die das Material der Bio-Kunststoffe sind, meist unter großem Dünger- und Pestizideinsatz in Monokulturen angebaut, wodurch sie zur Versauerung der Böden beitragen. So geht der Konsument davon aus, nachhaltig und ökologisch zu leben, ohne zu wissen, dass durch das Produkt, das er nutzt, komplette Landstriche langfristig unbrauchbar werden.

 

Fazit

Die Problematik bei Biokunststoffen ist, dass auch nicht zu 100% abbaubare und kompostierbare Stoffe als Biokunststoff beworben werden dürfen. Wenn ein Unternehmen mit Biokunststoff wirbt und diesen als umweltfreundlich deklariert, muss dies nicht der Wahrheit entsprechen. Die Gefahr des Greenwashings ist sehr hoch.

In Deutschland können Hersteller von biologisch abbaubaren Kunststoffen ihr Produkt zertifizieren lassen, sobald sie den DIN Norm EN 13432 Anforderungen entsprechen. Wichtig ist ebenfalls das biologisch abbaubare Kunststoffe nicht in den Biomüll, sondern in der gelben Tonne entsorgt werden müssen. Der beste Weg zur Besserung ist die Aufklärung. Hier stehen Unternehmen in der Verantwortung, um ihre Kunden, die Endverbraucher und die Umwelt zu schützen.